04.08 – 19.09.26
Auf den ersten Blick scheint Vieles zunächst willkürlich und zusammenhanglos zu sein. Doch TOMAKS Arbeiten sind Tableaus in der doppelten Bedeutung des Wortes. Im Französischen bezeichnet Tableau nicht nur das Gemälde, sondern auch eine „Serie von Serien“, eine „Folge von Folgen“, den „Raum einer Streuung“ wie Michel Foucault dies so treffend definiert hat. Der Künstler schafft ein Ensemble von Bildern, die er dann in Beziehung zueinander setzt und kreiert dadurch einen „Raum des Wissens“. Jedes Bild ist das Ergebnis von Überlegungen, Erkenntnissen, Lösungen und Bewegungen, sie sich im Geviert des Bildträgers kristallisieren und sedimentieren. Es handelt sich nicht bloß um eine Zustammenstellung von Bildern zu einem bestimmten Thema, um eine Verschränkung teils heterogener Motive und Zeichen zu einem Resumé, sondern um ein „Denken durch Bilder“. Der Bildraum wird zum Raum des Fragens, zum Forum des Argumentierens, zur Arena der Auseinandersetzung mit dem Humanum im Laufe der Geschichte. Doch TOMAK macht es uns mit der visuellen Struktur seines Denkens nicht einfach. Wir stehen einer verwirrenden Fülle von Denkfiguren gegenüber, die sich aus einer metaphernreichen Bildsprache speisen, die wissenschaftliche Theoreme mit technischen Plänen, anatomische Darstellungen mit popkulturellen Phänomenen, (kunst)historische Zitate mit Alltagsgegenständen verschränkt und dies alles mitunter zu brüsk hingesetzten Behauptungen bündelt. Ein erster Schritt zum Verständnis dieser „Schautafeln“ wäre, in die Struktur der Motive einzutauchen und zu fragen, welche Bilder es sind, die er auswählt und analytisch demontiert und remontiert.
Man kann bei den einzelnen Blättern nicht von einer letztgültigen Aussage sprechen, sondern sollte diese als Konfigurationen, als Momentaufnahmen seines visuellen Denkens betrachten.
Roman Grabner, 2015

